Holly Black & Cassandra Clare – Magisterium (02): Der kupferne Handschuh


Titel: Magisterium – Der kupferne Handschuh [Originaltitel: The Copper Gauntlet]
Reihe: Teil 2/5 der Magisterium-Reihe
Autoren: Holly Black & Cassandra Clare
erschienen: 2015 bei: One
Umfang: 303 Seiten
Preis: 16,99 €
Genre: Fantasy
Bewertung: neutral_smiley4 a_smiley_gruen (3 Sterne)

Zum Inhalt und meiner Meinung (Achtung! Enthält Spoiler für vorangegangene Teile!): Weiterlesen

„Sind Hörbücher auch Bücher?“


Ja, heute soll es um Hörbücher gehen. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal vorher über Hörbücher gesprochen zu haben, deshalb muss das heute dringend nachgeholt werden.
Inspiriert zu diesem Blogpost wurde ich durch ein Video der Booktuberin Ariel Bissett, das ihr euch bei Belieben hier anschauen könnt. Darin hat Ariel darüber gesprochen, dass sie Hörbücher als neues Medium für sich entdeckt hat.

Dabei kam auch die Frage auf: sind Hörbücher Bücher? Oder was ganz anderes? Diese Frage fand ich total spannend, weil ich sie mir vorher nie gestellt hab, und deswegen wollte ich heute mal meine Meinung dazu und zu anderen Hörbuch-bezogenen Umständen sagen 😀

Zuerst aber mal zu meiner eigenen Nutzung von Hörbüchern.
Ich bin schon seit meiner Kindheit ein großer Fan. Ich bin aufgewachsen mit der Stimme von Rufus Beck im Ohr, der die Harry Potter-Hörbücher großartiger vertont hat, als jeder andere es gekonnt hätte. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber vermutlich hat das meine hmm, Offenheit für dieses Medium geweckt.
Zugegeben, ich wollte gerade erst „Liebe“ schreiben. Aber eigentlich liebe ich Hörbücher nicht. Ich finde sie spannend und respektiere sie definitiv als Medium. Aber wenn ich zwischen einem Printbuch und einem Hörbuch unterscheiden müsste, würde ich meistens das Buch nehmen – meistens.
Tatsächlich habe ich immer schon, und tu es auch immer noch, Hörbücher gehört. Dabei ist diese Erfahrung für mich eine ganz andere, als wenn ich das Buch lesen würde.

Beim Lesen bin ich jemand, der liest dann. Ich kann nicht lesen und nebenher fernsehen oder Musik hören, das nervt mich und lenkt mich total ab. Lesen ist eine Erfahrung, bei der man (bestenfalls) für einige Zeit in eine andere Welt verschwindet.
Ein Hörbuch jedoch „konsumiere“ ich anders. Hier kann ich nicht einfach für ein paar Stunden stur zuhören, beim Hörbuch brauche ich immer irgendwas zum nebenher tun. Sei es ein bisschen aufräumen, Handarbeit machen – der neue Trend von Erwachsenen-Malbüchern kommt mir da auch sehr entgegen 😀
Ich höre dem Hörbuch zwar zu, aber konzentriere mich nicht so sehr wie bei einem Buch. Müsste ich ausschließlich hören und nix tun, würde ich vermutlich einschlafen oder sehr schnell genervt sein xD
Außerdem habe ich seit meiner Kindheit schon ein Phänomen beobachtet, das ich sehr interessant finde: Hörbücher kann ich schneller durchhören, als ich das dazugehörige Buch lesen könnte, und noch krasser: als Hörbuch kann ich auch Dinge hören, die mir als Buch entweder nicht gefallen haben oder die ich sogar aufgegeben habe, und es geht besser als das Lesen.
Im Klartext: eine Geschichte, die ich beim Lesen vielleicht abgebrochen habe oder die Reihe nicht besonders gemocht etc, kann ich als Hörbuch sehr viel leichter und mit mehr Gefallen daran in mich aufnehmen. Beispielsweise bin ich so bei der Mortal Instruments-Reihe verfahren: die Bücher sind wahnsinnig dick und für mich nicht soo leicht zu lesen, aber als Hörbuch ist es total gut und da werde ich die Reihe wohl auch endlich beenden können.
Klar kann man aber trotzdem nicht alles als Hörbuch hören oder besser hören als lesen: eine Fantasygeschichte mit 12345 Charakteren zum Beispiel könnte ich nie hören – ich würde ganz einfach der Handlung überhaupt nicht folgen können, weil man keinen Stammbaum und keine Karte hat, zu der man mal kurz blättern kann, um sich zu orientieren.
Mein persönliches Fazit: Hörbücher, zwischendurch ja bitte! Aber nur mit Beschäftigung 😉

Jetzt zurück zu der eigentlichen Frage, die mich so nachdenklich gemacht hat: sind Hörbücher auch Bücher?
Meine persönliche, ganz knappe Antwort: nö xD
Aber sie wollen es doch auch gar nicht sein!
Ein Hörbuch ist für mich bewusst ein ganz anderes Medium als ein Buch, deswegen konsumiere ich es ja auch anders. Bei einem Hörbuch spielt der Sprecher eine ganz besondere Rolle – ist der nix, ist das ganze Hörbuch doof. Im Gegensatz, wenn der Sprecher genial ist, kann auch ein mittelmäßiges Buch ein klasse Hörbuch sein.
Aber ein Hörbuch wird nun mal in Minuten gemessen und nicht in Seiten und ist dementsprechend einfach was anderes.

Allerdings finde ich nicht, dass man über diesen Unterschied überhaupt sprechen müsste. Ariel ist darauf eingegangen, dass manche Leute wohl ein Problem damit haben, wenn jemand angibt, er hätte ein Buch „nur“ gehört statt gelesen – ganz so, als hätte derjenige weniger Arbeit reingesteckt, als wenn er die Worte der Geschichte gelesen hätte, anstatt sie zu hören, und deshalb zähle das nicht als wirkliches Erlebnis der Geschichte.
Meine Ansicht dazu: NÖ! 😛
Ehrlich gesagt finde ich – entschuldigt die Wortwahl – dass das ziemlicher Müll ist. Die Hauptsache an einer Geschichte ist doch der Inhalt – als was man sie konsumiert, das ist meiner Meinung nach vollkommen egal! Selbst wenn das Hörbuch gekürzt ist und man dann „manche Seiten ja gar nicht gelesen hat“ – so what? Macht mich das zu einem schlechteren Leser?? Nein!
Ich habe trotzdem das Wesentliche mitbekommen, habe die Kernaussagen der Story in mich aufgenommen, habe die Charaktere und die Welt kennengelernt. Wie kann jemand so anmaßend sein und behaupten, diese Erfahrung sei weniger gut als das Lesen des Buches? Nur weil ich nicht die „Arbeit“ hatte und die Worte mit meinen Augen gelesen habe?
Really?!?

Ich fand es echt schockierend, dass es wohl wirklich Leute gibt, die mit dem Finger auf jemanden zeigen, der von einem Buch „nur“ die Hörversion kennt – denn ganz ehrlich, das ist trotzdem im Kern dasselbe xD und wenn jemand beispielsweise das Printbuch vor dem Fernseher gelesen hat und die Hälfte nicht mitgekriegt hat, und jemand anderes ein Hörbuch auf einer langweiligen Zugfahrt gehört hat, wo er jeden einzelnen Satz konzentriert mithört – wer hat dann mehr Arbeit geleistet?
Das bestätigt mich nur wieder in meiner Grundannahme, dass wir aus dem Lesen nicht so eine verdammte Wissenschaft machen sollten. Schließlich und endlich ist das immer noch alles ein HOBBY. Wir tun es, weil wir es gern tun und es uns Freude bereitet.
Wenn jemand nur Hörbücher hört, weil es seinem persönlichen Lebensstil eben näherkommt, anstatt das Buch zu lesen, dann soll man ihn doch damit zufrieden lassen.
Mir sind auch schon einige Blogger/Booktuber untergekommen, die bei einem Hörbuch tatsächlich das Printbuch dazu hernehmen, um die Seiten abzuzählen, bei denen sie im Hörbuch gerade stecken. Nur damit es ganz genau dem entspricht, als hätten sie das Buch gelesen. Whaaat? 😀 das wär mir viel zu dumm!

Mein Fazit: wir sollten nicht krampfhaft versuchen, aus dem Hörbuch ein Buch zu machen, denn es will gar keines sein. Hörbücher und Bücher sind zwei verschiedene Möglichkeiten, eine Geschichte zu erfahren, beide haben ihre Reize und ihre Nachteile. Hört man ein Hörbuch, zu dem man das Buch schon kennt, kann es trotzdem sein, dass man ganz neue Facetten an der Story entdeckt, sei es durch die Erzählstimme, Musik oder Geräusche.
Ich finde, jeder sollte jedem einfach seine Art der Geschichtenentdeckung selbst überlassen. Hörbücher sind eben kein Abklatsch des Geschriebenen, sondern sind was sie sind.