Tagebuch einer Herstellerin (oder einer, die sich auf dem Weg dahin befindet) #2


Dies ist gestern schon besagter Bericht zur heutigen Druckabnahme 😀

leider klingt das viel spektakulärer, als es wirklich war.
Mein Kollege – der wirklich Titel abgestimmt hat, ich war ja eigentlich nur dabei, um das mal zu sehen und was dabei zu lernen – und ich sind mit einen Auto da hingedüst. In der Druckerei angekommen haben wir sehr coole und professionell aussehende Besucherausweise bekommen, die man sich anstecken musste 😀 und ich war überall mit meinem Kollegen angemeldet, jeder wusste meinen Namen, und selbst der Abstimmungsraum war für „Herrn XY und Frau YX von XX“ reserviert (das klingt jetzt unspektakulär, ich weiß, aber unsere Namen bleiben ein Geheimnis 😉 ).
Mir wurde gleich der Rest meines riesigen Plots (siehe gestern) in die Hand gedrückt – da der soooo dringend (ihr wisst schon) fertig werden musste, hab ich kurzerhand im Vorfeld mit der Ansprechpartnerin in der Druckerei ausgemacht, dass ich den Rest des Plots dort freigebe xD
Bevor ich mich an die Arbeit gemacht hab, haben wir allerdings zuerst das getan, wofür wir hier waren und das Buch meines Kollegen gemeinsam abgestimmt.

Das bedeutet folgendes: man muss aus nachvollziehbaren Gründen sicherstellen, dass der Druck die im Buch enthaltenen Bilder auch so wiedergibt, wie man sie im Vorfeld abgestimmt hat – es nützt nichts, wenn man die schönsten Bilder von keine Ahnung, Tomaten geprooft hat und die dann nachher alle knalleblau sind, weil der Drucker beim Cyan zu viel Gas gegeben hat 😀
Oftmals macht das die Druckerei selbst – allein aus Gründen der Praxis. Man kann ja nicht für jeden einzelnen Titel, den man so produziert, in die Druckerei fahren – leuchtet ein, ne? 😉
Dafür schickt man die Proofs zu dem Titel – farbverbindliche Abbildungen aus der Repro, die man selbst im Vorfeld so korrigiert hat, dass die Farbe richtig abgestimmt ist und die Bilder genau so in den Druck übernommen werden können.

Bei besonders heiklen Titeln allerdings überlässt man das nicht dem Drucker, sondern man fährt zur Druckabnahme. Hier macht man die Farbabstimmung selbst.
Jetzt wieder dazu, wie das eigentlich geht: der Drucker bringt einem einen Bogen, die Proofs (Erinnerung: das waren die farbverbindlichen Abbildungen) liegen bereit und man vergleicht die Qualität von Bildern.
Der erste Bogen unseres heutigen Titels war noch von der Andruckphase. Für jemanden, der das nicht weiß: bevor richtig mit dem Druck eines Bogens begonnen werden kann, wird die Maschine genauestens eingestellt, eben deshalb, dass die Farbgebung passt und nicht zuviel von einer Farbe gedruckt wird. Das braucht ganz schön viel Papier und Farbe 😛
Der Andruck hat dadurch, dass die Maschine ja erst anläuft, auch selbstverständlich noch nicht so eine gute Farbqualität wie spätere Bögen. Auch die Bilder vom Buch meines Kollegen waren sehr „flau“; es hat definitiv an Farbe gemangelt, insbesondere an Gelb.
Wir haben das bestimmt und der Drucker ist mit dem Bogen wieder abgedüst, um die entsprechenden Einstellungen an der Maschine so zu ändern, wie wir das gern wollen. Sobald der nächste Bogen fertig war, wurde er uns erneut gebracht und das Spiel ging von vorn los. Dieses Mal war es aber schon besser.
Dann haben wir uns noch einen cellophanierten Umschlag angeschaut – so ziemlich alle Bücher ohne Schutzumschlag werden cellophaniert – eine hauchdünne Folie wird um den Umschlag  befestigt. Das nennt man auch „Kaschieren“ – warum auch immer xD und es gibt im Wesentlichen matte und glänzende Cellos. Je nach dem welche man wählt, verstärkt sie einzelne Farbtöne; die glänzende verstärkt Gelb und Magenta und die matte eher blau. Je nach Titel sieht matt edler aus, aber auch glänzend kann sehr gut wirken.

In der Zwischenzeit hab ich mich dann leider Gottes wieder mit dem Plot beschäftigt – aber wir können eine Party schmeißen, denn er ist fertig! 🙂 puh, ganze drei Stunden hab ich gebraucht, um ca 200 Seiten Plot durchzuschauen und zu kontrollieren. Ich hab noch einige Dinge gefunden, die man vielleicht hätte korrigieren sollen – wenn der Zeitdruck nicht so hoch wäre und das Ding heute noch auf die Maschine geht bzw mittlerweile wohl schon drauf ist 😛 naja, dann muss es jetzt so gehn.

Anschließend begann der noch schönere Teil, denn wir wurden zum Essen eingeladen 😀 das war echt super, wenn auch ein bisschen strange, weil mein Kollege und der Typ von der Druckerei sich über mega private Sachen unterhalten haben, obwohl sie sich auch nicht so gut kennen – und ich dabei saß und dachte: ähem.

Im Großen und Ganzen war es aber eine schöne Erfahrung und ich bin um etwas Wissen reicher 🙂 und ich kann euch von etwas Neuem berichten. Das ist doch auch was, oder? xD

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2 Gedanken zu “Tagebuch einer Herstellerin (oder einer, die sich auf dem Weg dahin befindet) #2

  1. Das klingt alles immer total interessant! Irgendwie beneide ich dich schon etwas um dein Studium und dein Praktikum 😀
    Und zum Essen eingeladen werden ist immer gut 😉
    Und was den Plot angeht: お疲れさまでした
    haha, sorry, das passte jetzt zu gut auf japanisch. (da steht: o-tsukare-sama deshita, und bedeutet soviel wie „gute Arbeit“ aber nicht direkt. Aber man benutzt es quasi wenn jemand anderes seine Arbeit beendet hat. Sehr schwer zu erklären xD)

    Liebe Grüße

    • auch wenn ich es nicht verstehe… danke 😀
      und es freut mich total wenn das echt interessant ist was ich so übers Arbeiten schreibe :3 hab einfach das Gefühl, dass die Leute viel zu wenig darüber wissen, wie tatsächlich ein Buch gemacht wird 😛

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