Tagebuch einer Herstellerin (oder einer, die sich auf dem Weg dahin befindet) #1


Heute berichte ich euch mal ein bisschen von meinem Arbeitstag und in dem Zusammenhang von einer der unzähligen Aufgaben, die ein Buchhersteller zu seinem täglichen Geschäft zählt – zumindest da wo ich arbeite. In anderen Unternehmen mag das anders sein, also vergebt mir bitte in der Hinsicht 😉

Heute war es nämlich so: ich musste, was ich schon vorher wusste, da es mir gestern telefonisch durchgesagt wurde (und schon im Vorfeld mehrmals drängend erwähnt: „Sie MÜSSEN diesen Plot morgen UNBEDINGT freigeben!“ – ja, mit Großbuchstaben, zumindest klang es so xD) unbedingt einen Plot zu einer meiner Novitäten freigeben.

Ein Plot wird immer dann erstellt, wenn ein Titel zum ersten Mal bei einer Druckerei läuft – also sowohl, wenn es ein komplett neuer Titel ist, das ist ja logisch, als auch wenn er vorher bei einem anderen Drucker war. Für einen Plot werden die Seiten auf einem Plotter (logisch, ne? xD) ausgegeben. Das ist ein Digitaldrucker.
Vorher werden die Seiten ausgeschossen – der Fachbegriff für das Anordnen der Seiten auf dem Druckbogen. Denn, wie vielleicht nicht jeder weiß: man druckt ja nicht Seite für Seite einzeln, sondern die Seiten werden auf riesigen Bögen platziert, die nach dem Druck beim Buchbinder gefalzt („gefaltet“, sodass die richtigen Seiten aufeinander liegen, wenn die Bögen zu einem Buch gebunden werden) werden.

Zurück zum Plot: der Plot wird nach dem Ausschießen erstellt, um nochmal zu kontrollieren, ob alle Seiten richtig stehen, also in der richtigen Reihenfolge hintereinander sind. Das muss der Kunde, sprich der Verlag überprüfen.

Aber nicht nur das: es gibt auch noch ganz viele andere Sachen, die wichtig sind: die elementarsten sind, ob Pagina (Seitenzahl) und Kolumnentitel (das ist diese Zeile links und rechts überhalb des normalen Textes, die besonders oft in Lexika oder Fachbüchern auftritt ;)) vorhanden sind oder aus Versehen verschütt gegangen sind, ob die richtigen Bilder eingesetzt wurden (nur nochmal zur Kontrolle) und ob die im Kapitel verwendeten Farben (bei Belletristik gibts das ja im Normalfall nicht – bei uns ist das aber wichtig) eingesetzt wurden.
Anschließend muss noch der Textanschluss von einer Seite zur nächsten geprüft werden, also ob es logisch weitergeht und kein Wort verloren ging.

Je mehr Umfang das Ding hat – desto länger dauert sowas natürlich xD und ich mache gerade einen 600-Seiten-Titel. Sprich: dauert lang!
Und ich wusste, um wieder zur Geschichte zurückzukehren, dass dieser Plot heute kommen sollte – in Teilen, weil die arme Frau L. aus der Druckerei es laut ihrer Aussage nicht schaffen würde, den ganzen Plot fertig zu machen. Also hab ich gewartet und gewartet. Und gewartet. Der Kurier, der immer die Sachen aus besagter Druckerei bringt, war schon da; und langsam aber sicher hab ich mich auf die Suche nach dem Plot gemacht. Hab sogar in der Druckerei angerufen, ob sie ihn doch nicht geschickt hat.

Arrgh und wo finde ich ihn schließlich? Auf dem Schreibtisch einer Kollegin, die heute nicht im Verlag war. Obwohl klar und deutlich mein Name drauf steht! Vor- und Nachname! Hrrngh 😀 ich würde gern wissen, wer das überlesen hat…
Dann kam auch noch dazu, dass Frau L. 400 Seiten geschickt hat und nicht wie angekündigt 120. Hurray! Macht auch nur 4x so viel Arbeit!
Versteht mich nicht falsch – ich bin unendlich dankbar für die großartige Arbeit, die ich als Praktikantin machen darf – aber es ist halt ziemlich mühsam und es MUSSTE (Verweis auf weiter oben xD) ja heute unbedingt fertig werden. Also hab ich zwei meiner Kollegen wohl oder übel flott gemacht und gemeinsam haben wir das Ding heute noch rausgehauen 😀 sie sind einfach super ❤

Zumindest den Teil, der schon fertig war. Den Rest? Interessanterweise mache ich das morgen direkt in der Druckerei, was sehr unüblich ist xD zufällig bin ich nämlich morgen da, zur Druckabnahme mit meinem Kollegen. Und während er seinen Titel abnimmt, mache ich das sozusagen auch mit meinem. Lustig.

Das heißt, wenn ihr Glück habt (und ich auch) und es interessant ist, dann werde ich euch morgen von der Druckabnahme berichten ^^ bis dahin: einen schönen Restabend euch! 🙂

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2 Gedanken zu “Tagebuch einer Herstellerin (oder einer, die sich auf dem Weg dahin befindet) #1

  1. Ich find es ja immer unheimlich interessant wenn du von deiner Arbeit berichtest 😀
    Von buchherstellung hab ich nämlich echt nur eine geringe Ahnung. (was eine Schande ist haha)
    Also mach weiter so und ich wünsche dir viel Spaß bei der druckabnahme.
    Ich warte auf einen Bericht 😀 entweder hier oder bei Facebook 😉

    • aww danke 🙂 und aus genau dem Grund tu ich es ja – niemand hat Ahnung von Buchherstellung, es sei denn, er arbeitet in der Buchherstellung 😀 aber ich finds wichtig, wenigstens zu wissen, dass Bücher nicht aus dem nichts in und aus der Druckerei fliegen.
      Bericht folgt immediately 😀

      LG ❤

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