Emma Donoghue – Raum


Titel: Raum [Originaltitel: Room]

Reihe:

Autor: Emma Donoghue

erschienen: 2012 bei: Piper

Preis: 9,99 €

Umfang: 416 Seiten

Genre: Roman mit… Psycho-Elementen 😀

Bewertung: Yellow_star1

Zum Inhalt und meiner Meinung: 

Inhalt in drei Sätzen:

Die Geschichte wird erzählt aus Sicht des 5-jährigen Jack, der mit seiner Mutter in Raum lebt, spielt, isst und schläft – für ihn ist Raum alles, was er hat. Was er nicht begreift: seit Jahren wird Ma (und nach seiner Geburt auch er) von „Old Nick“ dort festgehalten. Doch dann schaffen die beiden es durch Jack, endlich aus Raum zu fliehen – und für Jack, der die Welt „draußen“ niemals kennengelernt hat, verändert sich das ganze Leben drastisch…

Meine Meinung:

WOW. Ich muss erst mal kurz einen Moment innehalten und nachdenken, was ich überhaupt zu diesem Buch schreiben will. Kann, soll.
Also zuerst mal muss ich sagen, dass ich beim Klappentext, aus dem dem Leser hervorgeht, dass es sich eigentlich um ein Verbrechen handelt und Jack und seine Ma in Raum eingesperrt sind, eigentlich mit einer Art Psychothriller gerechnet hab. Denn wo sonst wird so ein heftiges Thema schon aufgegriffen?
Emma Donoghue allerdings hat was (meiner Meinung nach) Großartiges daraus gemacht, nämlich einen Roman, der sich nicht auf die Qualen bezieht, die die junge Frau durchmachen muss, Vergewaltigung, Gewalt und sogar ein Kind, das daraus entsteht, sondern ist aus der Sicht des Kindes erzählt. Alleine davor hab ich schon tierischen Respekt, denn in der Sprache eines Fünfjährigen zu schreiben, ist glaub ich eines der schwierigsten Dinge überhaupt.
Und wenn wir schon beim Schreibstil sind: der ist großartig. Ich fand es einfach unglaublich faszinierend, wie Jack seine zwölf Quadratmeter große Welt sieht – und vor allem, wie er anschließend, nach der Befreiung, die Welt draußen erlebt. Anfangs muss man sich ein bisschen an den Schreibstil gewöhnen, denn Jack ist eben ein Kleinkind und wirft manchmal Wörter durcheinander oder verwendet Redewendungen, die eben nicht zum korrekten Sprachgebrauch gehören, man gewöhnt sich aber ziemlich schnell daran. Es ist so ungeheuer spannend gemacht, besonders der erste Teil mit der Flucht. OH mein Gott. Ich konnte nicht aufhören zu lesen, es war so fesselnd, wie die beiden einen – waghalsigen und vielleicht auch verrückten – Plan aushecken, um endlich aus diesem Keller zu entkommen – zumindest Ma will entkommen. Jack versteht überhaupt nicht, was vor sich geht, für ihn ist dieser Raum, in dem er aufgewachsen ist, seine ganze Welt. Es ist super subtil gemacht, dass der (erfahrene) Leser recht bald merkt, dass die Welt nicht eitel Sonnenschein ist, sondern Ma von Old Nick zum Sex gezwungen wird und es ihr schlecht geht und die Lebensumstände an normalen gemessen einfach miserabel sind. Jack registriert vieles davon zwar, weiß aber nichts damit anzufangen.
Die ganze Geschichte hat mich unheimlich fasziniert und ich konnte mich super in Jack hineinversetzen – obwohl er ja noch ein Kleinkind ist! Ich hab mit den beiden mitgefiebert und habe Old Nick so dermaßen verabscheut 😀
wobei ich immer wieder daran gedacht hab, dass das hier zwar ein Roman ist, aber ihm so viele grausige Wahrheiten zugrunde liegen. Wer erinnert sich nicht an den Fritzl-Fall vor einigen Jahren? Dieser Fall soll auch teilweise Grundlage für den Roman gewesen sein und beim Lesen fühlte ich mich oft daran erinnert und konnte quasi miterleben, welche Gedanken solche Personen möglicherweise haben. Ich sage, möglicherweise. Ich würde mir nie anmaßen zu behaupten, auch nur annähernd verstehen zu können, was diese Opfer fühlen, so viel soll gesagt sein!

Also, wie gesagt, ich fand das Buch grandios und was total anderes. Es ist unheimlich spannend und hat mich tief und nachhaltig beeindruckt und zum Nachdenken angeregt, weswegen ich ihm eigentlich nur die beste Bewertung geben kann.
Allerdings bin ich der Meinung, dass dieses Buch erst von reifen Erwachsenen gelesen werden sollte und definitiv nicht von Jugendlichen unter achtzehn, weil das Thema ziemlich komplex ist und mich beim Lesen schockiert hat, obwohl ich genau wusste, was auf mich zukommt. Es ist harte Kost, für die man bereit sein sollte, weswegen es auch meiner Meinung nach nicht unbedingt gut dafür ist, ins Lesen einzusteigen xD

Was ich unbedingt noch ansprechen will:
Beim Recherchieren für diese Rezension bin ich recht schnell auf einen Zeitungsartikel aus der Welt gestoßen (könnt ihr hier nachlesen), der mich ziemlich geärgert hat. Klar, Rezensionen in bekannten überregionalen Zeitungen sind meiner Meinung nach immer ein bisschen merkwürdig, besonders gegenüber Büchern, die nicht literarisch hochwertig sind. Aber vieles, was dort erwähnt wurde, hat mich ernstlich geärgert (ich maße mir ebenfalls nicht an, die „Welt“ zu kritisieren, ich gebe lediglich meinen Senf dazu ab :D). Schon im ersten Absatz, als der Autor die rhetorische Frage stellt, ob man sowas zu einem realen Bezug überhaupt schreiben darf. Er beantwortet die Frage zwar selbst mit „natürlich darf man das“, aber auf ziemlich ironische Weise, wie ich finde. Und natürlich kann sowas Persönlichkeitsrechte verletzen, aber andererseits:
Sollen wir denn die Augen verschließen vor diesen Dingen??? Soll man nicht lieber eine Form der Aufklärung betreiben, wie auch immer sie dann stattfindet? Es ist nun mal eine traurige Tatsache, Fälle wie diesen, in dem Psychopathen Frauen einsperren und verletzen, gibt es immer wieder und wird es vermutlich auch immer wieder geben. Wie der Autor selbst erwähnt hat, in Psychothrillern passieren oft noch grausigere Taten, macht es denn einen Unterschied, was davon echt ist und was nicht? Die Menschen tun furchtbare Dinge, das ist eben so und damit muss man sich leider Gottes abfinden.
Zu dem Punkt im Artikel, dass die Flucht unglaubwürdig ist: abgesehen davon, dass ich das jetzt überhaupt nicht so empfand – DAS IST EIN ROMAN. Auch wenn er einer realen Vorlage zugrunde liegt, es ist ein ROMAN. Eine GESCHICHTE. Arrrgh 😀

So, und damit höre ich jetzt mal auf zu ragen und sag euch allein einfach: lest dieses Buch. Wirklich. Ist mein purer Ernst 😀 es stimmt wirklich, was auf dem hinteren Buchdeckel steht: für eine kurze Zeit ist das Leben beim Lesen dieses Buches tatsächlich ein bisschen anders. 🙂

 

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